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Einsatz Künstlicher Intelligenz für mehr Barrierefreiheit im Studium

Autorin: Rose Jokic - veröffentlicht am 02.09.2025

Dieser Blogbeitrag behandelt den Einsatz gängiger KI-Tools im Studienalltag von Studierenden mit Behinderung. Neben einem ersten Überblick über die Tools wird die Nutzung mit assistiven Technologien und ein verantwortungsvoller Umgang an der Hochschule diskutiert.

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein hochaktuelles Thema, gerade im Bereich Bildung. Auch wenn es darum geht, Lösungen für Studierende mit Behinderung zur Unterstützung im Studium zu finden, kommen KI-Tools immer mehr zum Einsatz. Viele KI-Anwendungen können den Studienalltag erleichtern, bringen gleichzeitig aber neue Herausforderungen mit sich - vor allem dann, wenn KI im Kontext digitaler Barrierefreiheit eingesetzt wird.

KI-Möglichkeiten und Tools für Studierende mit Behinderung

In einem Studienalltag voller Barrieren suchen Studierende nach Möglichkeiten, sich selbst zu helfen. Dazu können KI-gestützte Tools hilfreich sein. Doch reichen sie natürlich noch lange nicht aus, um barrierefrei zu studieren.

Ein Versuch, die Tools zu ordnen:

1. Klassische assistive Technologien, die durch Einsatz von KI verbessert werden
2. Funktionen der erleichterten Bedienung in Betriebssystemen oder Anwendungen, die mit KI arbeiten
3. Apps, die keine klass. Hilfsmittel sind, aber für bestimmte Bedarfe nützlich sind
4. KI-gestützte Alltagsanwendungen und generative KI

Darüber hinaus können zahlreiche weitere KI-Tools unterstützend beim Studium eingesetzt werden, Anwendungen werden stetig weiterentwickelt und erprobt. Allerdings scheint es so, dass gerade bei der Entwicklung die Barrierefreiheit (noch) nicht selbstverständlich berücksichtigt wird. Sowohl Studierende mit Behinderung als auch Lehrende stoßen daher nicht nur auf Möglichkeiten, sondern auch auf Grenzen in Form von Barrieren.

Barrieren bei der Nutzung von KI-Tools

Viele KI-Tools sind für Nutzende assistiver Technologien schwer bedienbar – etwa aufgrund unzugänglicher Benutzeroberflächen oder fehlender Screenreader-Kompatibilität. Screenreader sind assistive Technologien, die es blinden Menschen ermöglichen, digitale Inhalte vom Bildschirm in Sprache oder Blindenschrift umzusetzen. Obwohl Screenreader inzwischen mit KI-Funktionen ausgestattet sind und selbst grafische Inhalte beschreiben können, reichen diese oft nicht aus, um damit barrierefrei studieren zu können.

Bei klassischen Hilfsmitteln werden oft Beratung und Schulung bereitgestellt, bei KI-Funktionen und Features anderer Anwendungen jedoch meist nicht, teils gibt es Updates ohne weitere Erklärungen, was die Nutzung verkompliziert.

Bestehende Barrieren können so zwar kurzfristig durch KI überdeckt werden, dennoch wird es weiterhin notwendig sein, langfristig strukturelle Barrierefreiheit zu fördern. Am Beispiel der Erkennung von Inhalten aus grafischen Darstellungen kann dies verdeutlicht werden: Eine KI kann einen Text aus einem Bild zwar lesbar machen, aber oft ohne sinnvolle Struktur. Somit wird der Zugang zwar ermöglicht, die Nutzung mit Screenreadern dennoch erschwert, da eine sinnvolle Navigation innerhalb der so erkannten Inhalte nicht möglich ist.

KI-Tools im Einsatz bei Lehrenden und Hochschulmitarbeitenden

Für Lehrendekann KI eine gute Unterstützung sein, wenn es darum geht, Materialien barrierefrei zu machen. So ermöglichen etwa Office 365-Checks erste Hinweise zur digitalen Barrierefreiheit von Lehrmaterialien. Tools können außerdem helfen, Texte zu vereinfachen, Alternativtexte zu verfassen oder alternative Formate wie Audioversionen zu erstellen. Allerdings ist an dieser Stelle zu betonen, dass auch dabei keine gänzliche Barrierefreiheit automatisiert erreichbar ist. Die Verantwortung für barrierefreie Materialien, sowie deren vollständige Umsetzung, angepasst auf die jeweiligen Bedarfe, bleibt beim Lehrenden und kann nicht an KI oder betroffene Studierende delegiert werden. Nicht vertretbar ist, wenn Studierende zusätzlich Zeit, Energie und Technik aufbringen müssen und gleichzeitig das Risiko tragen, dass genutzte KI-Tools ungenau oder fehlerhaft sein können.

Die Hochschule muss für Barrierefreiheit der KI-Anwendungen, die sie zur Verfügung stellen, sorgen und Hochschullehrende bei der Erstellung von digitalen Lehr-Lernmaterialien unterstützen und entlasten (z. B. durch geeignete Tools und Infrastruktur für automatische Transkription und Untertitelerstellung; durch Qualifikationsangebote für Lehrende zu digitaler Barrierefreiheit mit KI).

Zudem sollten Arbeitsplätze und Ausstattung für Lehrende sowie Studierende mit Behinderungen nach aktuellem Stand der Technik zur Verfügung gestellt werden, um die Nutzung moderner assistiver Technologien und assistiver Funktionen von KI zu ermöglichen.

Tipps aus der Praxis

Viele Studierende nutzen bereits erfolgreich Tools wie „Seeing AI“, „Readwise“, „ChatGPT“ oder „Be My Eyes“. Eine Rückmeldung lautet zum Beispiel: „Manchmal umständlich – aber hilfreich!“. Entscheidend ist, sich mit den Tools vertraut zu machen, ihren Nutzen im eigenen Alltag zu erproben, und gleichzeitig ihre Grenzen zu kennen. Neben Übung und Schulung bedarf ein kompetenter Umgang mit KI auch der Berücksichtigung von Datenschutz, oftmals einer Offenheit für Open-Source-Angebote, sowie der Beteiligung betroffener Studierender bei der Auswahl.

Eine hilfreiche Plattform zur Orientierung ist KI-Kompass Inklusiv.

Fazit

Künstliche Intelligenz kann die Möglichkeiten zur Teilhabe von Studierenden mit Behinderung im Hochschulkontext verbessern – vorausgesetzt, sie wird bewusst, kritisch und barrierefrei eingesetzt. Dabei darf KI nie als Ersatz für barrierefreies Lehrdesign verstanden werden, sondern als ergänzendes Werkzeug. Viele KI-Tools sind selbst noch nicht uneingeschränkt nutzbar und können demnach nur begrenzt mit assistiver Technologie, wie beispielsweise dem Screenreader, verwendet werden. Bei der Aufbereitung barrierefreier Lehrmaterialien kann zwar die automatische Prüfung (Office 365-Checks) auf Barrierefreiheit genutzt werden, doch muss dies immer im Kontext erfolgen und bedarf daher besonderer Kompetenz.