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Sprachsteuerung –

als assitive Technologie im Studium

Autorin: Rose Jokic - veröffentlicht am 05.02.2026

Im Hochschulalltag nutzen Studierende digitale Tools am PC oder Tablet entweder mittels Tastatur, Maus oder Wischgesten. Sie starten und beenden Apps, schreiben und bearbeiten Texte, recherchieren im Internet und vieles mehr. Mithilfe von Sprachsteuerung lassen sich all diese Dinge ebenfalls tun, was besonders für Studierende mit bestimmten Beeinträchtigungen, wie z. B. einer motorischen Behinderung, hilfreich sein kann.

Dieser Beitrag stellt verschiedene Sprachsteuerungsmöglichkeiten und die Nutzung auf gängigen Betriebssystemen vor. Die Verwendung von Sprachsteuerungssystemen ermöglicht den Zugang zu digitalen Lern- und Arbeitsumgebungen, wodurch sie Selbstbestimmung, Teilhabe und Chancengleichheit fördert. Zunehmend erkennen Hochschulen das Potenzial dieser Systeme und versuchen sie gezielt in ihre Unterstützungsstrukturen zu integrieren.

Sprachsteuerung als assistive Technologie (AT)

Sprachsteuerung kann als assistive Technologie - Training vorausgesetzt - wirkungsvoll im Studium eingesetzt werden. Sie übersetzt gesprochene Sprache in digitale Befehle und erlaubt damit eine berührungsfreie Interaktion mit Endgeräten. Studierende steuern somit ihre Computer mittels Sprache und ohne Einsatz der Hände. Besonders bei einer eingeschränkten Bewegungsmöglichkeit der Hände kann diese Form der Nutzung von Computern und Tablets im Studienkontext einen erleichterten Zugang zu digitalen Inhalten bieten.

Mithilfe von Sprachsteuerung können somit Gegebenheiten für einen behinderungsgerechten Ausgleich im Studienalltag geschaffen werden, um einen gleichberechtigten Zugang zu Bildungsinhalten zu erhalten. Die Navigation auf Plattformen und in digitalen Lernumgebungen per Sprachsteuerung ist jedoch nur dann möglich, wenn diese in ihrem technischen Aufbau barrierefrei gestaltet sind, sodass sich alle Elemente und Funktionen per Sprachsteuerung anwählen und bedienen lassen. Darüber hinaus erfordert die effektive Nutzung von digitalen Anwendungen ein langwieriges Training im Umgang mit den Sprachbefehlen, da diese im korrekten Wortlaut auswendig gelernt und situationsspezifisch angewendet werden müssen (siehe hierzu Screencast zu Sprachsteurung).

Zielgruppen und Einsatzfelder im Studium

Die Einsatzmöglichkeiten von Sprachsteuerung sind vielfältig – ebenso wie die Studierendengruppen, die davon profitieren. Sie richten sich an diejenigen, die auf alternative Eingabemethoden angewiesen sind, z.B. Studierende mit motorischen Beeinträchtigungen, die ihre Hände nicht oder nur eingeschränkt einsetzen können. Auch könnte die Sprachsteuerung kognitiv entlastend sein, wenn Studierendedas Sprechen als strukturierender und fokussierender empfinden als das Schreiben. So könnte der verbale Zugang für klare Formulierung und gedankliche Organisation unterstützend sein. Dies kann hilfreich sein für Studierende mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten wie Legasthenie oder auch für Gruppen mit spezifischen Anforderungen aufgrund chronischer Erschöpfung oder neurologischer Erkrankung. Sie können so mit der Stimme innerhalb von Tools navigieren und Inhalte bearbeiten.

Beispiele für die Nutzung im Studium

Im Studienalltag kann Sprachsteuerung unter anderem für das Diktieren, Formatieren und Bearbeiten von Texten und Notizen eingesetzt werden. Dazu können gehören:

  • das Verfassen, Vorlesen und Versenden von E-Mails,
  • die Navigation in digitalen Lehrbüchern, Lernplattformen oder Webseiten,
  • das Öffnen und Schließen von Programmen und Anwendungen,
  • die Organisation über Kalender- und Aufgabenverwaltungs-Apps,
  • die Kommunikation in digitalen Kollaborationstools.

Sprachsteuerung kann auch in Prüfungssituation z.B. bei Prüfungen, der Erstellung schriftlicher Ausarbeitungen oder dem Zugriff auf digitale Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Voraussetzung dafür ist eine barrierefreie Infrastruktur mit individuell vorkonfigurierten Endgeräten.

Plattformen und Tools

Nahezu alle modernen Betriebssysteme verfügen inzwischen über integrierte Sprachsteuerungsfunktionen, die ohne zusätzliche Software genutzt werden können:

  • Windows 11 bietet, mit dem Windows-Sprachzugriff, ein hilfreiches Tool für die sprachgesteuerte Nutzung.
  • MacOS und iOS stellen mit Voice Control Sprachsteuerungsmöglichkeit bereit, die im digitalen Lernalltag zum Einsatz kommen kann.
  • Android-Systeme ermöglichen über Voice Access eine intuitive Sprachsteuerung, insbesondere für mobile Geräte.

Darüber hinaus können weitere Tools im Studium relevant sein, die für anspruchsvolle Anforderungen z. B. bei Prüfungen, etc. eingesetzt werden können.

Die Software „Dragon-Naturally-Speaking“ bietet beispielsweise umfangreiche Sprachsteuerungs- und Diktierfunktionen für Windows, welche auf den individuellen Bedarf angepasst werden können. Damit lassen sich Anweisungen entsprechend trainieren, um die Erkennungsgenauigkeit zu verbessern. Das Programm lässt sich demnach speziell für intensives, wissenschaftliches Arbeiten einsetzen, da es sich gut für einen gesamten Workflow anpassen lässt und Fehleingaben minimiert, was flüssigeres Arbeiten gewährleistet.

Während Sprachzugriff, Voice Control und Voice Access in die Betriebssysteme integriert und somit kostenfrei nutzbar sind, ist die Nutzung von Dragon kostenpflichtig und setzt leistungsfähige Hardware unter Windows voraus.

Wie sich zeigt, können Sprachsteuerungstools hilfreich sein, doch wie funktionieren diese genau und wie können sie im Hochschulkontext zum Einsatz kommen?

Gezieltes Training und angepasste Gegebenheiten an der Hochschule erforderlich

Ob unter Windows, IOs oder Android - Inhalte und Anwendungen ließen sich nahezu komplett per Sprache bedienen, wodurch klassische Eingabegeräte, wie Tastatur und Maus überflüssig wären. Jedoch erfordert die Nutzung von Sprachsteuerungsanwendungen intensives Training. Es müssen klare Anweisungen deutlich ausgesprochen werden, damit die Spracherkennung auch gelingt und dennoch können Fehler entstehen. Bei intensiver Nutzung lernt das System dazu, sodass die Erledigung von Aufgaben wie das Verfassen von Texten, das Navigieren in Lernplattformen oder die Informationsrecherche mittels Sprachbefehle ortsunabhängig möglich sein kann: ob im Hörsaal, im Arbeitsraum oder unterwegs.

Damit all diese Möglichkeiten der Sprachsteuerung im digitalen Hochschulalltag erfolgreich eingesetzt werden können, erfordert die Nutzung regelmäßige Übung sowie eine Integration in Studium und Lehre. Studierende, die im Laufe des Studiums eine Beeinträchtigung erfahren und im Zuge dessen auf die Nutzung von Sprachsteuerungstools angewiesen werden, sind möglicherweise mit ungewohnten Bedienungsweisen konfrontiert, da sie vor allem klassischeEingabemethoden wie Maus und Tastatur kennen. Daher ist eine begleitete Einarbeitungsphase erforderlich. Zudem können sie bei der Eingabe aufgrund von lauten Umgebungsbedingungen gestört werden. Neben akustischen Störungen können auch unklare Aussprache oder mangelnde Mikrofonqualität die Funktionalität beeinträchtigen.

Es ist daher erforderlich, dass technisch gut ausgestattete, ruhige Arbeitsumgebungen an den Hochschulen zur Verfügung stehen.

Studierende müssen sich aufgrund fehlender Standardisierung darauf einstellen, dassUnterschiede zwischen Betriebssystemen und Programmen bestehen, was eine zusätzliche individuelle Einarbeitung erfordern kann. Auch verfügen nicht alle Hochschulen über geeignete Räume oder barrierefreie Endgeräte, die mit Sprachsteuerungssoftware ausgestattet sind. Dies kann jedoch besonders bei Prüfungen erforderlich sein. Aus diesem Grund ist ein gezielter Ausbau technischer Ressourcen sowie die Einrichtung geeigneter Nutzungsmöglichkeiten essenziell. Nicht zuletzt spielen Datenschutz und Datensicherheit im Hochschulkontext bei der Nutzung von Sprachsteuerungstools eine wichtige Rolle, insbesondere beicloudbasierten Spracherkennungssystemen. Daher ist dafür Sorge zu tragen, dass ein verantwortungsvoller und transparenter Umgang mit personenbezogenen Daten gewährleistet wird.

Kosten und Finanzierung

Der Zugang zu Sprachsteuerung ist in vielen Fällen kostenfrei, da grundlegende Funktionen in den Betriebssystemen integriert sind. Für erweiterte Anforderungen im wissenschaftlichen Arbeiten können jedoch professionelle, kostenpflichtige Programme wie „Dragon-Naturally-Speaking“ erforderlich sein. Abhängig von der Lizenzart kann die Anschaffung im vierstelligen Bereich liegen.

Für Studierende in NRW mit anerkanntem Unterstützungsbedarf kann eine Kostenübernahme über die Eingliederungshilfe beispielsweise durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) oder Westfalen-Lippe (LWL) oder über die gesetzlichen Krankenkassen erfolgen. Eine frühzeitige Beratung, entweder an der Hochschule selbst oder in einer Sprechstunde beim Kompetenzzentrum digitale Barrierefreiheit, kann im Vorfeld hilfreich sein.

Die Hochschulen können entsprechende Anschaffungen über bestimmte Förderprogramme, wie das Programm „Inklusive Hochschule“ vornehmen. Auch dazu bietet das Kompetenzzentrum im Rahmen der Vernetzungs- und Austauschtreffen weiterführende Informationen und Beratung. Darüber hinaus bietet es begleitende Schulungsformate, die sog. Hands-On-Sessions an, welche von Studierende für Studierende durchgeführt werden.

Fazit

Sprachsteuerung kann im Studium hilfreich sein. Studierende, die Sprachsteuerung im Hochschulalltag nutzen, können von bereits im Betriebssystem implementierten Tools profitieren. Für wissenschaftliches Arbeiten erfordert es Übung und regelmäßige Nutzung. Außerdem kann es bei besonders anspruchsvollen Aufgaben erforderlich sein, ein kostenpflichtiges Tool einzusetzen. Hochschulen sollten daher im Bedarfsfall Geräte mit entsprechender Software mit individuellen Anpassungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Besonders für Studierende, die im Laufe ihres Studiums neu auf Sprachsteuerung angewiesen sind, besteht individueller Unterstützungsbedarf in Form von individuellen Schulungsangeboten und praxisnaher Begleitung. An den Hochschulen ist daher ein ganzheitliches Gesamtkonzept erforderlich, das didaktische Ansätze, individuell angepasste Endgeräte sowie institutionelle und personelle Unterstützungsstrukturen systematisch zusammenführt.

Quellen und weiterführende Infos