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Screenreader –
als assitive Technologie im Studium
Autorin: Rose Rokic, veröffentlicht am 13.02.2025
Studieren bedeutet, wissenschaftlich zu arbeiten. Für viele Studierende, die gar nicht oder nur wenig sehen können, bietet ein Screenreader die unerlässliche Hilfe. Ob bei der Online-Recherche in Bibliothekskatalogen, beim Lesen wissenschaftlicher Texte oder beim Erstellen von Präsentationen – der Screenreader spricht die Bildschirminhalte, übersetzt in Brailleschrift und schafft so den Zugang zu digitalen Informationen für blinde Studierende. Für sie ist es gleichermaßen möglich, dank verschiedener Screenreader auf einem Windows-Rechner, einem MacBook oder einem Smartphone zu arbeiten.
Doch welcher Screenreader wird wie eingesetzt und wie funktioniert das Navigieren genau?
Gängige Screenreader im Überblick –
und ihre praktische Anwendungsbreiche im Studienalltag
Es gibt verschiedene Screenreader: kostenfreie und kostenpflichtige oder bereits im Betriebssystem integrierte. Die gängigen Screenreader sind JAWS und NVDA für Windows, VoiceOver für Apple-Geräte sowie TalkBack für Android. Auf dem Computer nutzen Studierende den Screenreader, indem sie die dafür vorgesehenen Tastenkombinationen anwenden und auf dem Smartphone bestimmte Gesten einsetzen. So bieten Screenreader sehbeeinträchtigten Studierenden verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, indem sie Bildschirminhalte vorlesen und in Brailleschrift ausgeben – sowohl auf Computern als auch auf Tablets und Smartphones.
Studienrelevante Inhalte, wie Präsentationen, Bücher, PDF-Dokumente, Formeln und Webseiten können Studierende folglich eigenständig nutzen, denn ihnen werden Texte, Grafiken mit Alternativtexten, Navigationselemente und andere visuelle Informationen des Bildschirms in gesprochene Sprache oder Brailleschrift umgewandelt. Der Funktionsumfang gängiger Screenreader ist zudem individuell anpassbar, sodass Einstellungen wie Sprechgeschwindigkeit, Stimme oder Fokusverfolgung den persönlichen Bedürfnissen der Nutzer*innen entsprechen können.
Studierende navigieren mittels Tastatur oder Gesten, wenn der Screenreader aktiviert ist. Die Tastenbefehle müssen für jede Anwendung erlernt werden und sind nicht bei allen Betriebssystemen gleich. Während beispielsweise unter Windows meist zwei Tasten für die Ausführung eines Befehls gleichzeitig gedrückt werden, müssen auf dem MAC auch schon mal drei Tasten parallel betätigt werden, damit ein Befehl beim aktivierten Screenreader erfolgt.
Die Wahl des passenden Screenreaders sollte auf einer individuellen Bedarfsanalyse basieren. Beratungsstellen an Hochschulen, Selbsthilfevereine oder Hilfsmittelmessen bieten Unterstützung bei der Entscheidungsfindung.
Kosten und Finanzierung
Finanzierungsmöglichkeiten bestehen über Krankenkassen für die private Nutzung oder über die Eingliederungshilfe im Rahmen des Studiums. Dafür ist es erforderlich, dass die Kostenübernahme beantragt wird. Der Antrag muss eine Begründung beinhalten sowie drei Kostenvoranschläge von Hilfsmittelfirmen. Da die meisten genannten Screenreader kostenfrei verfügbar sind, bezieht sich die Beantragung auf den Screenreader JAWS, welcher von diversen Hilfsmittelfirmen in Deutschland vertrieben wird.
Beratung und Erfahrungsaustausch
Erfahrungsberichte von Studierenden, die selbst Hilfsmittel wie Screenreader nutzen, bieten wertvolle Einblicke in den praktischen Einsatz von JAWS, NVDA, VoiceOver und Co. im Studienalltag. Tipps zur Antragstellung und Hinweise auf weitere Leistungen bei der Hilfsmittelversorgung, wie Einweisungen und regelmäßige Wartungen, sind ebenfalls hilfreich.
Das Kompetenzzentrum digitale Barrierefreiheit (NRW) bietet dazu zahlreiche Austauschformate für Studierende an:
Von Impulsvorträgen zum bedarfsspezifischen Einsatz von assistiven Technologien, vertiefenden Hands-On-Sessions zur Nutzung bis hin zu den monatlich stattfindenden Sprechstunden. Studierenden stehen so verschiedene Möglichkeiten offen, sich zu informieren, denn der Einsatz von passender assistiver Technologie im Studium wie dem Screenreader ist ein entscheidender Schritt, um Chancengleichheit und Barrierefreiheit in der Bildung zu fördern. Durch die richtige Auswahl, Anpassung und Nutzung dieser Hilfsmittel ist das Studieren mit Sehbeeinträchtigungen selbstbestimmt möglich.