Ergebnisse
Was wir testen und für wen
Aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und der hohen Verbreitung an Hochschulen testet das Kompetenzzentrum zahlreiche webbasierte Applikationen, Tools und Plattformen, die im Kontext von Studium und Lehre Verwendung finden, auf die Barrierefreiheit und Usability für Studierende mit Beeinträchtigungen.
Die Testergebnisse* und Empfehlungen sind nach verwendeter Hilfstechnologie bzw. Arbeitstechnik sortiert. Es werden zunächst die Barrieren aufgelistet und dann Hinweise für die Nutzung mit der jeweiligen Hilfstechnologie gegeben. Dies ist hilfreich für Studierende. Darüber hinaus geben wir Lehrenden (Handlungs-)Empfehlungen für den didaktischen Einsatz. Die abschließende Auflistung der Barrieren nach den Erfolgskriterien der EN-Norm 301 549 richtet sich an Entwickler*innen.
* Die Ergebnisse werden nachfolgend dokumentiert und laufend ergänzt, beachten Sie bitte das Datum der Testergebnisse. Eventuell gibt es bereits eine aktuellere Version des jeweiligen Tools.
Audience Response Systeme (ARS) sind elektronische Abstimmungssysteme, bei denen ein Publikum live über mobile Medien oder Computer Stimmen abgeben kann und die Ergebnisse von Dozent*innen unmittelbar dargestellt werden können. Sie werden in der Regel in großen Veranstaltungen eingesetzt, um Meinungsbilder herzustellen oder den Wissensstand zu einem Thema zu erheben. Das Kompetenzzentrum hat verschiedene Audience Response Systeme getestet.
CryptPad ist ein Rich-Text-Editor, mit dem online kollaborative Dokumente, Tabellen, Präsentationen, Kanban-Boards oder Whiteboards erstellt werden können. Es ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt und Open-Source. Es kann kostenlos auf Cryptpad.fr genutzt werden, manche Hochschulen haben auch eigene Instanzen eingerichtet.
Das CryptPad ermöglicht die kollaborative Erstellung, Bearbeitung und Kommentierung von Inhalten. Man kann in Echtzeit oder zeitversetzt zusammenarbeiten. Im Vergleich zum Etherpad Lite bietet das CryptPad mehr Formatierungsmöglichkeiten, Texte zu gliedern, Links, Tabellen und Bilder einzufügen und eignet sich deshalb besser, an längeren Texten zu arbeiten. Außerdem stehen mehr Formate zur Verfügung, neben Rich Text gibt es u. a. Tabellenkalkulation, Kanban, Präsentationen, Code, Whiteboard oder Markdown-Folien.
Zum vollständigen Testbericht von CryptPad
Clustermarket ist ein Tool zur Verwaltung von Laboren, Geräten und Ausrüstung, das speziell auf die Buchung und Nutzung von Laborgeräten ausgerichtet ist. Es können auch Medien und andere Geräte verwaltet werden. Die webbasierte Oberfläche ermöglicht die Recherche und Buchung von Geräten für alle berechtigten Angehörigen der Hochschulen.
Einrichtungen der Hochschule können eigene Labore mit den entsprechenden Geräten einrichten. Nutzende können Labore suchen, den digitalen Zugriff erfragen und anschließend Laborgeräte oder Medien selbständig buchen. Die Datenbank enthält nicht nur die Gerätebezeichnung, sondern auch recherchierbare Informationen über benötigte Probeneigenschaften, Messmethoden etc., die von den Einrichtungen eingetragen werden. Angaben zur Barrierefreiheit macht der Hersteller nicht.
Etherpad Lite ist ein webbasierter Open-Source-Texteditor, der die kollaborative Bearbeitung von Texten in Echtzeit ermöglicht, wobei alle Änderungen sofort und gleichzeitig bei allen anderen Nutzer*innen sichtbar werden. Das Etherpad wird als Plug-in in Moodle und ILIAS zur Verfügung gestellt oder es läuft auf kostenfreien Etherpad-Servern im Web, zum Beispiel ZUMpad. Auch manche Hochschulen bieten Etherpad-Server an.
Etherpads ermöglichen es, online leicht und schnell gemeinsam an kurzen Texten, Protokollen oder Gliederungen zu arbeiten oder Ideen zu sammeln. Es ist einfach und weitgehend intuitiv nutzbar, ist aber für die Arbeit an längeren Texten weniger geeignet.
Das Kompetenzzentrum hat Etherpad Lite auf die Barrierefreiheit und Usability für Studierende mit Beeinträchtigungen getestet. Insgesamt fiel das Urteil der Nutzer*innen mit Behinderungen überwiegend positiv aus.
EvaExam ist ein Prüfungssystem sowohl für Online- als auch für Papier-Prüfungen. Online-Prüfungen mit EvaExam können zuhause oder in Prüfungsräumen an der Hochschule geschrieben werden. Neben Prüfungen können auch Online-Übungen durchgeführt werden, bei denen den Lehrenden kein Prüfungsdashboard zur Verfügung steht.
Es gibt verschiedene Fragenformate:
- Multiple und Single Choice
- wahr/falsch
- Zuordnungsfragen
- offene Fragen
- segmentierte Fragen
- Kprim Fragen
- Hotspot-Fragen
Formeln werden über einen Formeleditor mit LaTex eingegeben, die LaTex-Formel wird auch in die Beschreibung eingegeben, damit sie mit Screenreadern gelesen werden kann. Videos können mit Untertiteln eingefügt werden, falls es keine Fassung mit einer Audiodeskription gibt, können ausführliche Textbeschreibungen für Prüfungsteilnehmer*innen mit Sehbeeinträchtigung und Blindheit hinzugefügt werden.
H5P ist eine kostenlose Open-Source-Software, mit der interaktive Inhalte erstellt, veröffentlicht und geteilt werden können. Es gibt mittlerweile über 40 verschiedene Inhalts- oder Aufgabentypen. H5P steht für HTML5-Package und wurde 2012 von der norwegischen öffentlich geförderten Organisation Norwegian Digital Learning Area (NDLA) in Auftrag gegeben. Die norwegische Firma Joubel hat H5P 2013 veröffentlicht. Sie entwickelt H5P seitdem mit Unterstützung einer großen internationalen Community* weiter. H5P hat eine modulare Architektur, die auf Bibliotheken beruht. So können Entwickler*innen auf bestehende Elemente bei der Gestaltung ihrer H5P-Inhaltstypen zurückgreifen.
H5P lässt sich in Moodle, ILIAS wie auchandere Lern- und Content-Management-Systeme wie Drupal und Wordpress integrieren, die über entsprechende Plug-ins oder LTI verfügen. Diese universellen Einsatzmöglichkeiten machen H5P für OER-Materialen gut geeignet.
*Wir geben die gefundenen Barrieren an die Entwickler-Community von H5P weiter, damit sie die Barrieren bei der Weiterentwicklung der Inhaltselemente beseitigt werden. Dies ist jedoch nicht Gegenstand dieses Berichts.
In Moodle und ILIAS werden vielfältige Plug-ins, Aktivitäten bzw. Objekte und Inhaltstypen eingesetzt, die das Kompetenzzentrum testet. Manches wird in beiden Lern-Management-Systemen und manches nur in Moodle oder ILIAS angeboten.
Mit Padlet lassen sich digitale Pinnwände in unterschiedlichen Formaten erstellen. Die Software wird von einem Unternehmen mit Sitz in San Francisco und Singapore betrieben. Man kann bis zu 3 Padlets und 20 MB kostenlos nutzen und es gibt verschiedene Tarife für Personen oder Bildungsinstitutionen.
In Deutschland wird Padlet mittlerweile an vielen Hochschulen und Bildungseinrichtungen nicht mehr verwendet, weil es in Puncto Datenschutz Bedenken gibt. Im Bereich der Barrierefreiheit ist das Padlet allerdings der deutschen Alternative TaskCards, die die Datenschutzbestimmungen erfüllt, noch überlegen.
Das Kompetenzzentrum hat Padlet auf die Barrierefreiheit und Usability für Studierende mit Beeinträchtigungen getestet. Es wurden einige Barrieren festgestellt, die behoben und beim Einsatz beachtet werden sollten. Wenn in Lerngruppen Studierende sind, die mit assistiven Technologien, insbesondere mit Screenreader oder Sprachausgabe arbeiten, empfehlen wir die Nutzung von Padlet statt TaskCards, um eine bessere Teilhabe dieser Studierenden zu gewährleisten.
Mit TaskCards lassen sich digitale Pinnwände in unterschiedlichen Formaten erstellen. Die deutsche Firma dSign Systems GmbH hat TaskCards als Alternative zu nicht datenschutzkonformen Tools wie z.B. Padlet entwickelt. Die Firma betont die Datensparsamkeit der Plattform und die Konformität mit der Datenschutz-Grundverordnung. TaskCards wird mittlerweile in vielen Bildungseinrichtungen eingesetzt, vor allem an Schulen. Die Plattform findet auch mehr und mehr an Hochschulen Verbreitung, in erster Linie in der Lehrkräfteausbildung.
Das Kompetenzzentrum hat TaskCards deshalb auf die Barrierefreiheit und Usability für Studierende mit Beeinträchtigungen getestet. TaskCards entspricht nicht den Anforderungen der Barrierefreiheit, wie sie die BITV 2.0 für öffentliche Stellen vorschreibt. Barrierefreiheit wurde bei der Entwicklung offenbar gar nicht berücksichtigt. Da Barrierefreiheit für Hochschulen jedoch ebenso verpflichtend ist wie der Datenschutz, wird eine Nachrüstung dringend empfohlen.
Das Kompetenzzentrum digitale Barrierefreiheit.nrw empfiehlt Hochschulen, die TaskCards anschaffen wollen, vertraglich eine Frist zu vereinbaren, bis wann die Plattform den Anforderungen der BITV 2.0 entspricht. Hochschulen, die TaskCards bereits verwenden, empfehlen wir eine Verlängerung der Lizenzen erst, wenn die Firma die Anforderungen an die Barrierefreiheit nachweislich erfüllt.